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Börsencrash: Mehr Maklerinnen würden vorbeugen

Dienstag, 8. März 2016 / 16:43 Uhr

Leicester - Die Finanzwelt braucht mehr Frauen im Maklerberuf. Denn das könnte helfen, wirklich üble Crashes zu vermeiden, so Ökonomen der University of Leicester.

Männer agieren im Börsengeschäft mit mehr Risiko.

Ihre Studie «The Role of Hormones in Financial Markets» zeigt zudem, dass Maklerinnen im Schnitt mehr Profit machen. Die Top-Verdiener sind allerdings Männer. Das liegt jedoch nicht an grösserer Kompetenz, sondern an grösserer Bereitschaft, selbst übertriebene Risiken einzugehen - und dabei manchmal einfach nur Glück zu haben. Die Entlohnungsmodelle der Branche scheinen überholt.

Testosteron im Glück

«Bonusregelungen im Finanzbereich belohnen üblicherweise die besten Performer und führen oft dazu, dass viele andere Makler gefeuert werden - möglicherweise auch manche, die kleine Gewinne machen», sagt Daniel Ladley, Lektor für Finanzwirtschaft in Leicester. Das kommt in der Regel Männern zugute, die dank hohem Risiko und Glück am meisten Profit gemacht haben. Dabei sind der Studie zufolge Frauen langfristig die besseren Makler. Denn sie sorgen seltener für Verluste und machen zuverlässiger Geld - zwar regelmässig, aber überschaubar.

Frühere Forschungsarbeiten haben gezeigt, dass Steroidhormone wie Testosteron die Bereitschaft auch zu irrationalen Risiken fördern. Zudem war bekannt, dass sich der Hormonhaushalt auf die Leistung von Maklern auswirkt. Die aktuelle Studie hat mittels Computermodell untersucht, welche Effekte das auf den gesamten Finanzmarkt hat. «Die besser performenden männlichen Makler in den Experimenten waren nicht kompetenter, sie haben grössere Gewinne gemacht, indem sie ihr Glück erzwingen - durch sinkende Risikoaversion und erhöhte Investments als Reaktion auf Profite», so Ladley. Eben diese übersteigerte Risikobereitschaft kann freilich ebenso gut nach hinten losgehen.

Höherer Frauenanteil nötig

Maklerinnen springen auf solche - bisweilen nur vermeintlichen - Chancen nicht im gleichen Mass an. «Sie machen also seltener extreme Gewinne, verlieren aber weniger Geld», erklärt der Wissenschaftler. Zwar steigt der Studie zufolge mit dem Anteil weiblicher Makler sogar die Volatilität der Finanzmärkte, aber wirklich spektakuläre Crashes werden seltener. Es wäre also durchaus von Vorteil, den Frauenanteil in der Finanzbranche und speziell dem Maklerberuf zu steigern. Das freilich dürfte ein Umdenken in Sachen Verdienstmodelle erfordern - «ein Abgehen von hohen Boni für die Best-Performer hin zu einem System, das beständige Gewinne besser belohnt», meint Ladley.

Direkt zur Untersuchung

 

 

(fest/pte)


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