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Crucell-Entlassene billigen Sozialplan

Freitag, 11. April 2014 / 16:19 Uhr

Bern - Die Mehrheit der 250 bei Crucell im Raum Bern entlassenen Mitarbeitenden hat an einer Versammlung den Sozialplan gebilligt. Wie die Gewerkschaft Unia mitteilte, soll Crucell aber weiterhin energisch Investoren für die beiden Standorte suchen.

Crucell sucht Investoren für die beiden Standorte.

Der Sozialplan mit dem niederländischen Biotech-Konzern sei «substanziell», würdigte Unia das Vertragswerk. Die Gewerkschaft werde die Umsetzung überwachen.

Das Abkommen sieht für die Gekündigten je nach Alter und Dienstalter eine Abfindung von bis zu 24 Monatslöhnen, die mögliche Frühpensionierung ab 58, finanzielle Weiterbildungsbeiträge, Kinderpauschalen, verbesserte Kündigungsfristen und die Unterstützung bei der Stellensuche vor.

Der Sozialplan tritt rückwirkend auf den 18. Februar in Kraft und gilt bis 31. Dezember 2017. Die Unia mahnt Crucell respektive deren Besitzerin Johnson & Johnson neben der Investorensuche auch zu weiteren Bemühungen, die Zahl der Entlassungen durch Teilzeitstellen oder Pensionierungen möglichst klein zu halten.

Anschluss an den Einheitsvertrag gefordert

Für die verbleibenden Angestellten verlangt Unia, dass Crucell sich dem Einheitsvertrag (GAV) anschliesst, der schon für die ebenfalls dem US-Pharmaunternehmen Johnson & Johnson gehörende Cilag in Schaffhausen besteht.

Im vergangenen November hatte Crucell ursprünglich den Abbau von 380 Stellen an den Standorten Köniz und Bern bekanntgegeben. Später stellte sich heraus, dass gewisse Supportfunktionen bleiben konnten, was den Stellenabbau reduzierte. Auch kündigten einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von sich aus.

Keine Produktion mehr in der Schweiz

Zu dem Stellenabbau kommt es, weil Crucell den Vertrieb und die Herstellung des Grippe-Impfstoffs Inflexal und des Hepatitis-A-Impfstoffs Epaxal einstellt. Produktion und Vertrieb des Typhus-Impfstoffs Vivotif wird noch bis Ende 2014 in Köniz weiterlaufen. Crucell will den Betrieb verkaufen.

Das Stimmvolk von Köniz hatte erst im September vergangenen Jahres einer Vorlage zugestimmt, welche Crucell erlaubt hätte, höher zu bauen.

Crucell war durch die Übernahme des Impfstoffherstellers Berna Biotech 2006 in die Schweiz gekommen. Berna Biotech blickte damals auf eine über hundertjährige Geschichte zurück. Das Unternehmen ging auf das Schweizerische Impfinstitut zurück.

Bei der Übernahme durch das vom Umsatz her viel kleinere Crucell hiess es, Arbeitsplätze und Standorte würden langfristig gesichert. Bereits im ersten Jahr strichen die Niederländer im Raum Bern aber 60 Stellen.

Die Forschungs- und Entwicklungsabteilung wurde nach Leiden (NL) verlegt. Als Crucell 2011 seinerseits von Johnson & Johnson übernommen wurde, stellte sich das Problem, dass die US-Amerikaner selber bereits Impfstoffe produzieren.

(bg/sda)


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