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Der Zeitungskiosk wandert auf die Smartphones

Mittwoch, 18. Mai 2011 / 21:15 Uhr

New York - Die durch Werbeeinbrüche gepeinigte Zeitschriftenbranche ist weiterhin auf der Suche nach einem brauchbaren Geschäftsmodell für das Internetzeitalter. Angetrieben durch den Hype um Tablet-Computer und Smartphone-Apps haben sich in den USA gleich fünf der grossen Verlagshäuser zum Konsortium «Next Issue Media» (NIM) zusammengetan, um gemeinsamen eine Art «virtuellen Zeitungskiosk» in App-Form zu entwickeln.

Die digitale Ausgabe der «New York Times» auf dem iPad (Symbolbild).

Eine erste Testversion der neuartigen Anwendung soll heute, Mittwoch, in dem VCAST-App-Store des US-Mobilfunkkonzerns Verizon Wireless für Samsungs GalaxyTab freigeschaltet werden.

«Der virtuelle Zeitungskiosk integriert die verschiedenen Publikationen in einer Art und Weise, die bei anderen digitalen Vertriebsplattformen nicht möglich ist», erklärt NIM-Geschäftsführer Morgan Guenther gegenüber dem Wall Street Journal. Nutzer hätten beispielsweise die Möglichkeit, gleichzeitig in mehreren verschiedenen Zeitschriften und Magazinen nach bestimmten Inhalten zu suchen oder sich - je nach den persönlichen Interessen - eigene Kombi-Abonnements aus mehreren Blättern zusammenzustellen. «So entsteht ein personalisierter Zeitungskiosk über den sich Inhalte auch mit anderen Usern teilen lassen», erläutert Guenther.

Deutsche Verlage beobachten «sehr genau»

«Auch in Deutschland machen sich die Verlage verstärkt Gedanken über mögliche Geschäftsmodelle für die Zukunft», stellt Alexander von Reibnitz, Geschäftsführer Digitale Medien und Neue Geschäftsfelder im Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), gegenüber pressetext klar. Dass die Verlagshäuser in den USA nun gemeinsam versuchen, eine Lösung für diese Frage zu finden, sei sicherlich ein sinnvoller Ansatz: «Es bringt nichts, wenn jeder Verlag für sich einen eigenen Standard aufbaut. Das Konzept eines Online-Kiosks, der als zentrale Anlaufstelle für mehrere verschiedene Magazine dient, halte ich für sehr spannend.» Man werde das US-Experiment «sehr genau beobachten».

Offizieller Start im Herbst 2011

Ob der neuartige Vertriebsansatz in der Praxis wirklich das halten kann, was er in der Theorie verspricht, werden die kommenden Monate zeigen. Bislang hat das NIM-Konsortium, dem so renommierte Verlagsgrössen wie Condé Nast, Time, Hearst und Meredith und News Corp. angehören, lediglich eine abgespeckte Vorabversion seiner Applikation präsentiert, die nur sieben Magazine umfasst. Bis zum offiziellen Launch-Termin, der für Herbst 2011 angesetzt ist, soll das Repertoire aber noch auf 40 bis 50 Zeitschriftentitel ausgebaut werden.

(dyn/pte)


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