TELEKOMMUNIKATION
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Spam als Lebensretter im Kampf gegen Ebola

Donnerstag, 16. Oktober 2014 / 09:49 Uhr

Genua/Freetown - In Sierra Leone erprobt die International Federation of Red Cross and Red Crescent Societies (IFRC) eine adaptierte Spam-Software, die Handy-Besitzer einer bestimmten Region auch ohne Kenntnis der konkreten Telefonnummern mit wichtigen SMS-Botschaften versorgt.

Schnelle Interaktion, auch wenn der Empfänger nicht bekannt ist.

Das «Trilogy Emergency Relief Apllication» (TERA) genannte System soll nun sogar auf sieben weitere westafrikanische Länder ausgeweitet werden.

«TERA ist eine Handy-App, die es den Hilfsorganisationen und Mobilfunknutzern in Katastrophengebieten ermöglicht, einfach und schnell miteinander zu interagieren», heisst es in der Projektbeschreibung auf der IFRC-Webseite. In seinem Kern sei das System dabei vor allem für das Verschicken und Empfangen von SMS-Botschaften konzipiert worden. «Es wurde entwickelt, um die Zweiweg-Kommunikation zwischen den Hilfskräften und den betroffenen Menschen zu erleichtern. Die Informationen, die es liefert, helfen Leben zu retten, die Lebensgrundlage zu sichern und den Wiederaufbau nach Katastrophen und Krisen zu beschleunigen», fasst die Organisation zusammen.

Keine Nummer nötig

Das Besondere an dem Ansatz: Das TERA-System benötigt im Gegensatz zu herkömmlichen SMS-Diensten keine konkreten Angaben zu den Telefonnummern der Mobilfunkgeräte, die mit einer bestimmten Botschaft beschickt werden sollen. Stattdessen ist es den Nutzern dieser Technologie einfach möglich, eine spezifische Region oder sogar eine Nachbarschaft zu definieren, an die die gewünschte Nachricht versendet werden soll. «Jeder, der sich zum Versandzeitpunkt in diesem Gebiet aufhält und sein Handy auch eingeschaltet hat, bekommt die SMS», betont IFRC-Mitarbeiter Robin Burton gegenüber BBC News.

Um ein reibungsloses Funktionieren von TERA zu gewährleisten, kooperiert die internationale Hilfsorganisation mit den in Sierra Leone tätigen GSM-Mobilfunknetzbetreibern. Die Software analysiert nämlich auf Basis der Betreiberinformationen, welche Handys zu einem bestimmten Zeitpunkt mit einem Sendeturm einer bestimmten Region verbunden sind. «Das System wurde so konzipiert, das es von uns auch aus der Entfernung genutzt werden kann», erläutert Burton.

Erfolgreicher Testlauf

Dass moderne Kommunikationstechnologien gerade in Extremsituationen wie bei Naturkatastrophen wahre Lebensretter sein können, haben bereits andere tragische Unglücke der jüngeren Vergangenheit bewiesen. Bestes Beispiel hierfür war etwa das verheerende Erdbeben in Haiti, das 2010 insgesamt über 220.00 Menschen das Leben gekostet hat. Genau dort schlug auch die Geburtsstunde für das TERA-System.

«In Sierra Leone hat TERA ausgezeichnet funktioniert. Es werden bereits rund zwei Mio. SMS-Nachrichten pro Monat in der Region verschickt, die den Betroffenen dabei helfen sollen, eine Ebola-Infektion zu vermeiden oder Hilfe leisten, wenn diese schon erfolgt ist», schildert IFRC-Mitarbeiter Burton. Nach dem erfolgreichen Testlauf soll das System nun auch auf die Länder Benin, Togo, Ghana, Mali, Guinea-Bissau, Gambia und Burkina Faso ausgerollt werden.
(bert/pte)


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